Nordkorea, ich komme!
Vorab möchte ich bemerken, dass in Nordkorea / DPRK (Democratic People’s Republic of Korea) auf Grund des straffen Programmes viele Fotos aus dem fahrenden Bus heraus aufgenommen wurden. Die Qualität ist teilweise also nicht optimal, aber besser als gar keine Fotos 🙂
Während der Flüge war es verboten, die Landschaft zu filmen. Außerdem war es grundsätzlich verboten, Militär und Einzelpersonen zu fotografieren. Nun…. ich habe mich bemüht – manchmal.
Viel Spaß mit meinem Reisebericht.
Kurzübersicht der geflogenen Flugzeugtypen:
Tu 204-100 – P-633
IL-18D – P-835
An-148-100B – P-671
An-24RV – P-532
Tu-134B-3 – P-814
IL-76MD – P-912
IL-62M – P-885
Tu-154B-2 – P-561
Mi-17 – 867
Prolog
Üblich ist es, Nordkorea mittels einer Touristenkarte als Visaersatz zu bereisen und diese bei der Ausreise wieder abzugeben.
Alternative ist, sich das Visum persönlich in der Nordkoreanischen Botschaft in Berlin abzuholen und in den Pass kleben zu lassen.
Selbstverständlich wählte ich Letzteres. Nach einem Anruf öffnete sich das Tor und ich wurde im Gebäude empfangen. Nach einem kurzen Gespräch händigte ich meine Visaunterlagen und meinen Pass aus. Kaum im Warteraum angekommen, wurde die Musik eingeschaltet und ich mit lokalem Liedgut auf die Reise eingestimmt.
Nach einiger Zeit konnte ich meinen Pass samt Visum wieder in Empfang nehmen. Alles ganz easy und freundlich 🙂
Freitag
Am Vorabend des Abfluges nach Pjöngjang / Pyongyang trafen wir uns in Peking im nordkoreanischen Restaurant Haedanghwa zum Essen. Geboten wurde neben dem Essen eine Showeinlage, die das Können junger nordkoreanischer Damen in diversen musikalischen Bereichen, Tanz sowie Gesang zeigte.
Samstag
Am nächsten Morgen am Flughafen Peking PEK…
Überraschenderweise direkt neben einem Aeroplan der Korean Air (Südkorea) stand sie: unsere Air Koryo Tupolew / Tupolev Tu 204-100 P-633.
Durch einen verpassten Slot mussten wir eine Stunde am Gate warten, eine weitere Stunde verbrachten wir auf dem überfüllten Taxiway auf dem Weg zur Startbahn.
Die Flugbegleiterinnen schienen Spaß an ihrer Arbeit zu haben, der Flug war auch überraschend gut ausgelastet.
Sah nicht gut aus, schmeckte aber gut. Der Service insgesamt war deutlich besser, als man ihn derzeit beispielsweise bei Lufthansa bekommt.
Für uns zur Begrüßung (aber auch sonst) aufgereiht standen die hervorragend gewarteten Luftfahrzeuge der Air Koryo in Pjöngjang FNJ neben der Start- und Landebahn auf dem Rollfeld.
In FNJ angekommen besuchten wir noch das Cockpit.
Das neue, im Bau befindliche Terminal. Fertigstellungstermin: 2014! Ob der (sehr verspätete Berliner Flughafen) BER diesbezüglich Bau-, Beratungs- und Planungsleistungen in Nordkorea einkaufen sollte? 🙂
Die Start- und Landebahn sowie der Taxiway wurden saniert. Wie wir während unseres Aufenthaltes beobachten konnten, wurden rasante und deutlich sichtbare Fortschritte gemacht.
Wir benutzten noch das alte, provisorische Terminal, welches uns in den nächsten Tagen als regelmäßigen Gast begrüßen sollte.
Auch die Mitarbeiter schienen uns im Verlauf der Woche schon als „Stammgäste“ zu betrachten, schließlich waren wir fast jeden Tag während unseres Aufenthaltes vor Ort.
Die Einreise erfolgte problemlos. Mobiltelefon und Pass wurden fotografiert sowie der Fotoapparat oberflächlich auf GPS-Fähigkeit untersucht.
Unsere Reisegruppe von gut 30 Teilnehmern wurde in zwei Gruppen auf- und auf zwei Busse verteilt, sodass jeder einen Fensterplatz besetzen konnte.
Die Pässe wurden noch im Bus eingesammelt und für die Dauer des Aufenthaltes einbehalten.
Auf Grund der Verspätung wurde es bereits dunkel. Nach einer kurzen Sightseeingrunde fuhren wir ins Hotel Koryo, in dem wir während unseres Aufenthaltes untergebracht waren.
Am Großmonument auf dem Mansu-Hügel durften wir als erste Station Blumen vor den Bronze-Statuen von Kim Il Sung und Kim Jong Il niederlegen und uns brav verbeugen. Es sollte nicht das letzte Mal während unseres Aufenthaltes sein.
Überraschenderweise wurde uns bereits auf der Fahrt vom Flughafen grundsätzlich das Fotografieren ausdrücklich gestattet, mit Ausnahme von Militär, einzelnen Personen sowie an Orten wo uns ein Verbot explizit kommuniziert würde.
Denkmal zu Ehren der Parteigründung
1997 (drei Jahre nach Kim Il Sungs Tod) wurde in Nordkorea offiziell der Juche-Kalender eingeführt. Er unterscheidet sich vom Gregorianischen Kalender durch die Jahreszählung, die mit dem Geburtsjahr von Kim Il Sung beginnt. So gilt seitdem das Jahr 1912 als „Juche 1“.
Das Bett war extrem hart, jedoch habe ich sehr gut darin geschlafen.
Das Kopfkissen hörte und fühlte sich wie Plastik an, war aber ebenfalls bequem.
Irritierend war das Loch im Bettlaken.
In der Lampe fand sich statt einer Abhörvorrichtung ein Paar gut getrockneter Socken.
Ein bisschen Aussicht gab es immerhin. Allerdings wurden täglich morgens um sechs mit Lautsprechern Musik und Motivationsdurchsagen durch die Straßen geschallt, teilweise sogar mitten in der Nacht.
In unserem offensichtlich für westliche Touristen vorgesehenen Stockwerk des Hotels gab es ein internationales Direktwahltelefon sowie chinesische und russische TV-Sender. Ein Radiosender spielte täglich ab 6 Uhr motivierende lokale Musik.
Man beachte die zwei deutschen Ländervorwahlen im Telefonverzeichnis sowie die Hauptstädte Bonn und Berlin.
Im Zimmer gab es immer warmes Wasser und Strom, jedoch überraschten mich die amerikanischen Steckdosen. Nur im Bad gab es europäische Steckdosen, eine mit 110V und eine mit 220V.
Als persönlich störend empfand ich außerdem die vielen Spiegel im Hotel, auf den Fluren sowie im Zimmer und im Schrank direkt neben dem Bett.
Mindestens ein Fahrstuhl funktionierte immer, die Wartezeit war teilweise aber eben etwas länger.
Sonntag
Das Frühstück bestand üblicherweise aus (exakt) vier Scheiben getoastetem Weißbrot, einem Päckchen Butter, einem Päckchen Marmelade, einem kleinen Glas joghurtähnlicher Substanz, einer Tasse Tee oder Kaffee sowie wechselnd Wurst und/oder Pancake sowie einem Spiegelei.
Der Service wurde mit sehr viel Personal förmlich zelebriert. Wenn dem Kellner beispielsweise ein Marmeladenpäckchen beim Servieren aus der Hand gefallen war wurde dieses beschämt und gründlich nochmals abgewischt bevor es überreicht wurde.
Der optische Charme des Hotels spricht für sich selbst.
Wenn aus irgendwelchen Gründen ein Reiseteilnehmer im Hotel bleiben wollte/musste, war stets ein Guide dabei.
„Ausflüge“ ohne Guide – und sei es nur direkt vor das Hotel – waren nicht gestattet. Nachts wurde der Hotelausgang verschlossen.
Es gab auf den Straßen mehr Verkehr als erwartet, darunter auch Individualverkehr und Taxis. Öffentliche Verkehrsmittel, also Busse und Straßenbahnen waren stets sehr voll. Weiterhin gab es viele Radfahrer und Fußgänger.
Wie wir schon auf der Fahrt vom Flughafen bemerkt und auch in den kommenden Tagen erfahren sollten, waren alle Straßen in relativ schlechtem Zustand und holprig. Dank des vergleichsweise modernen Busses war dies jedoch erträglich.
Die Nummernschilder in Nordkorea lassen sich anhand der Farbe zuordnen:
– weiß sind offizielle Fahrzeuge / Behördenfahrzeuge (Mehrheit)
– weiß mit rotem Stern sind VIP-Fahrzeuge (davon einige vor unserem Hotel) – man beachte die vielen verschiedenen Mercedes-Modelle, welche sich auch überall in der Stadt wiederfinden
– orange (gelb) sind Privatfahrzeuge
– schwarz sind Militärfahrzeuge
– rot (weinrot) sind Fahrzeuge von Joint-Ventures, welche im Land tätig sind
– blau sind Diplomatenfahrzeuge
Der Hauptbahnhof in Pjöngjang. Es gibt zwei internationale Verbindungen pro Woche: eine nach Wladiwostok / Vladivostok und eine nach Peking / Beijing.
Der Bahnhofsvorplatz
Auffallend an den Nordkoreanern war, dass augenscheinlich jeder ein rotes Abzeichen mit Kim Il Sung und/oder Kim Jong Il trug.
Heute fuhren wir mit dem Bus nach Panmunjom in die DMZ (Demilitarisierte Zone). Unsere Guides Su Ryon („Lotos“) und Un Sok hatten gute Laune und verteilten Bonbons.
Die andere Gruppe wurde von Jong Chol („Bärchen“) und Jong Hua betreut.
Nach und nach wurden einzelne Reiseteilnehmer unauffällig in Gespräche verwickelt, jedoch auch in den folgenden Tagen nicht alle.
Die Einwohner auf den Straßen wirkten in Pjöngjang selbst teilweise etwas skeptisch, bei Weitem jedoch nicht alle. Je weiter man aus der Stadt herauskam, desto neugieriger wurden die Bürger. Kinder und Jüngere freuten sich, lachten und winkten, vereinzelt sogar Erwachsene.
Tafeln und Monumente mit Kim Il Sung und Kim Jong Il waren allgegenwärtig.
Die Landschaft ist geprägt von Bäumen, Reis- und Maisfeldern. Insgesamt wirkte die Natur sehr grün und vielfältig.
Pausiert wurde an der Raststätte Frankenwald (oder ähnlich).
Die Straßen wurden immer leerer, je näher wir der DMZ kamen.
Es gab Kontrollposten mit Straßensperren. Anscheinend wurde von außen beobachtet, dass diese aus dem Bus heraus fotografiert worden waren, denn am nächsten Kontrollposten wurde unser Bus angehalten und gezielt zwei Fotografen ausgewählt, welche ihre Kamera zur Überprüfung abgeben mussten. Die Kontrolle war jedoch ohne Befund, denn sie bekamen die Kameras unverändert mit allen Fotos wieder.
Regelmäßig fanden sich am Straßenrand Panzersperren, welche bei Bedarf gesprengt werden können, auf die Straße stürzen und diese somit für feindlichen Verkehr blockieren.
Angekommen in Panmunjom.
Ich saß direkt auf der Grenze / Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea (38. Breitengrad – Mitte des Tisches, Linie der Mikrofone). Ausnahmsweise ist in der mittleren blauen Baracke auch eine visafreie Ein- und Ausreise möglich.
Wir hatten viel Spaß – und die Amis neue Videoaufnahmen zum auswerten 🙂
An diesem Tisch wurden die Verhandlungen über den Waffenstillstand geführt.
Als positiv empfand ich, dass stets auch geschichtliche Hintergründe vermittelt wurden. Diese wurden zwar auch im Interesse Nordkoreas gedeutet, jedoch konnte man trotzdem etliche neue Erkenntnisse gewinnen.
Zu Mittag gegessen haben wir in Kaesong, wo anschließend noch ein Rundgang und ein Museumsbesuch anstanden.
Souvenirshops waren allgegenwärtig, im Hotel, in jedem Restaurant, Museum oder Touristenattraktion.
Ginsengwurzeln verschiedenen Alters
Was kostete gleich nochmal ein Sklave?
Immer dabei: Fotograf und Kameramann der KITC (Korea International Travel Company), über welche alle touristischen Aktivitäten im Land abgewickelt werden.
Grab von König Kongmin
Was macht ein Busfahrer wenn er unterwegs Hunger bekommt? Genau: Tannenzapfen essen.
Abendessen. Zu fast jeder Mahlzeit gab es das koreanische Nationalgericht Kimchi, scharf eingelegter Kohl (hier rechts am Rand).
Das Abendessen wurde von einem kurzen Stromausfall von wenigen Minuten begleitet, das Personal war jedoch gut vorbereitet und sofort mit Lampen zur Stelle.
Nachts gab es auch in Pjöngjang Straßensperren und Kontrollposten.
Montag
Am nächsten Tag flogen wir mit der Iljuschin / Ilyushin IL-18 P-835 nach Samjiyon. Wir bekamen Bordkarten, welche einzeln gestempelt wurden. Einen Meter weiter wurde ein Abschnitt abgerissen und uns der restliche Teil ausgehändigt. Natürlich wurde der Abschnitt beim Einstieg nochmals kontrolliert.
Für alle, die ein paar Informationen über das Weltgeschehen wollten, gab es eine lokale Zeitung. Nur aufpassen, dass man nicht versehentlich ein Foto mit Kim Il Sung, Kim Jong Il oder Kim Jong Un knickt oder zerknittert – auf einen Aufenthalt im Straflager konnte ich gut verzichten 🙂
Immer schön aufpassen, was die bekloppten Deutschen da machen!
Sonderwünsche wurden gerne erfüllt.
Nach der Landung und einer ausgiebigen Fotosession mussten wir in den Bus steigen, um die immerhin 50 Meter zur Toilette zu bewältigen. Ordnung muss sein 🙂
Von dort ging es mit dem Bus zum Mount Paektu, einem ca. 2.700m hohen, erloschenen Vulkan mit Kratersee.
Den Weg hinauf konnten wir mit einer Standseilbahn absolvieren.
Revier abstecken…
Auf dem Rückweg waren die pünktlichen Deutschen zu spät, sodass wir unsere Rückfahrt ebenfalls erst zu spät antreten konnten.
Es kam wie es kommen musste: auf halbem Wege wurde der Strom abgeschaltet, der nur in einem gewissen Zeitfenster zur Verfügung stand (das wussten wir vorher aber nicht).
Wir stiegen somit auf halber Strecke aus und gingen neben den Gleisen zu Fuß zur Talstation, über Betonplatten und bedrohlich knarrende Holzbrücken.
Unten angekommen ging es mit dem Bus zum Mittagessen.
Wasserfall Rimyongsu
Sushi mit Krakauer. Ob das die Strafe war, weil wir die Wurst beim Frühstück nicht aufgegessen hatten?
Auf dem Rückweg zum Flughafen konnte der Bus auf der engen Straße zweimal nur knapp einem LKW ausweichen, außerdem blieben wir mit einem Getriebeproblem und rauchendem Motor stehen. Der Fahrer kannte sich jedoch mit seinem Gefährt aus, nach ein paar Minuten war dieses so weit repariert dass wir unsere Fahrt fortsetzen konnten.
Wieder am Flughafen angekommen durften wir uns im Gebäude einer Sicherheitskontrolle unterziehen.
Natürlich wurde zuvor wieder eine Bordkarte ausgeteilt und der Kontrollabschnitt abgerissen.
Zunächst gingen wir durch einen ausgeschalteten Metalldetektor, bevor eine manuelle Kontrolle erfolgte.
Der erste, stumm geschaltete Handmetalldetektor wurde für die Körperkontrolle verwendet. Er leuchtete zwar, gab aber keinen Ton von sich. Somit war alles ok. Das Handgepäck wurde mit einem zweiten, ausgeschalteten Handmetalldetektor gründlich von allen Seiten (allerdings nur von außen) kontrolliert. Mangels Ton war natürlich auch dies in Ordnung.
Somit waren wir alle „sauber“ und durften einsteigen.
Auch zurück ging es mit der P-835.
Abendessen
Zum Essen konnten wir der Musik eines Militärorchesters lauschen.
Wir hatten täglich ein volles Programm. Nach dem Frühstück verließen wir früh das Hotel und kamen erst spät nach dem Abendessen zurück. Es blieb also kaum Zeit für andere Dinge außer schlafen.
Postkarten konnten im Hotel im Communication Center abgegeben werden. Was dort damit passierte kann sich jeder selbst denken.
Pjöngjang wirkte auf mich sehr sauber. Alle Bürger wirkten fleißig, waren mit Saubermachen oder sonstigen Arbeiten beschäftigt.
Außerhalb von Pjöngjang gab es bis auf Fahrräder und Fußgänger kaum Verkehr.
Dienstag
Es stand am folgenden Tag die Antonow / Antonov An-148 P-671 auf dem Programm.
Wer hat mehr Gepäckbänder? Berlin TXL oder Pjöngjang FNJ? Ich würde mich da nicht festlegen wollen 🙂
An diesem Tag gab es im Terminal einen Stromausfall. Alle Vorgänge konnten jedoch auch ohne Strom problemlos abgewickelt werden.
Nach dem Flug hatte jemand einen Kopfstützenschoner mitgenommen. Dies war aufgefallen und wir durften so lange warten, bis dieser wieder herausgegeben wurde.
Und gleich noch die Antonow / Antonov An-24 P-532 hinterher.
Es gab auch weibliches Flugpersonal.
Na wen haben wir denn da? Die Regierungsmaschinen von Kim Jong Un.
– Fotos wurden auf „Bitten“ von Nordkorea entfernt –
Dieser Fehler wurde kein zweites Mal begangen. An den nächsten Tagen waren die Maschinen nicht mehr für uns sichtbar.
Dafür gab es motivierende Plakate.
Stadion 1. Mai
Nach dem Mittagessen stand das Victorious Fatherland Liberation War Museum (Kriegsmuseum) auf dem Programm.
Bärchen heute mit Umhängelautsprecher…
Denkmal des Sieges im Vaterländischen Befreiungskrieg
Hotel Ryugyong
Innen waren keine Fotos gestattet.
Nordkoreanische Waffen
Zwischenzeitlich waren noch ein, zwei weitere Besucher eingetroffen.
Erbeutete Waffen der USA / USS Pueblo
Weiter ging es zu einer Fahrt mit Trolleybus und Straßenbahn.
Jeder rote Stern steht für 50.000 unfallfreie Kilometer.
Vereinzelt waren Jungpioniere zu sehen.
Triumphbogen
Fernsehturm
Der Schülerpalast Mangyongdae wurde gerade renoviert. Selbst in der Dunkelheit waren Schweißarbeiten zu erkennen.
Eissporthalle
Mittwoch
Am nächsten Tag begleiteten uns der deutsche Botschafter und eine Mitarbeiterin nach Hamhung.
In Gesprächen erfuhren wir, dass sich üblicherweise nicht mehr als 10-15 Deutsche dauerhaft in Nordkorea aufhalten, selten maximal 20. Unsere Reisegruppe hatte die Anzahl der Deutschen im Land also auf einen Schlag verdreifacht.
Wir flogen mit einer Tupolew / Tupolev Tu-134, der P-814 nach Sondok.
Besuch – AN-2 🙂
Weiter ging es mit dem Bus.
Die Kiddies freuten sich über den Ausländerbesuch.
Das Mittagessen fiel an diesem Tag etwas nobler aus als sonst. Ob das an unserem Gast lag?
Wegen des Wetters wurde die übliche Fotosession nach Pjöngjang verlegt. Eine gute Wahl.
Neue Geheimtechnologie – oder Spielzeug.
Am Flughafen verabschiedete sich der Botschafter wieder.
Großer Studienpalast des Volkes
Auch fremdsprachige Literatur wird geboten.
Ein Lesesaal
Fremdsprachenkurse
Multimedia-Bildungssal
Von der Terrasse hatte man einen beeindruckenden Blick über die Stadt.
Monument der Juche-Ideologie, „Juche-Tower“
Zentrales Staatsgebäude am Kim-Il-Sung-Platz
Natürlich gab es auch wieder die Möglichkeit, sich über relevantes Weltgeschehen zu informieren.
Erneut war vereinzelt mit dem Auftreten von Pionieren zu rechnen.
Aktuelle Wörterbücher gab es natürlich auch.
Oh, ein Erlkönig.
Der Platz war mit Standmarkierungen für Paraden versehen.
Nun fuhren wir Metro.
Die Metrostationen in Pjöngjang liegen üblicherweise 80-100 Meter unter der Erdoberfläche. Es gibt Rolltreppen.
Einzelticket – die Dauerkarten sind Chipkarten mit RFID-Chip.
Nach der Fahrt wollten wir wieder nach oben. Praktischerweise fiel genau in dem Moment der Strom aus, als wir auf der Rolltreppe losgefahren waren. Während die Nordkoreaner stehen blieben und amüsiert uns Deutsche dabei beobachteten, wie wir keuchend und schnaubend die gefühlt kilometerlange Rolltreppe nach oben stiegen, wurde der Strom natürlich pünktlich kurz vor Erreichen der letzten Stufen wieder eingeschaltet.
Zurück an der Oberfläche am Triumphbogen.
Das Abendessen gab es auf einem Restaurantschiff.
Noch ein wenig Sightseeing bei Nacht. Toll!
Schon wieder die bekloppten Deutschen 🙂
Abends machten wir noch einen Ausflug zum Bahnhof. Wir wurden vom Hotel bis zum Bahnhof von lachenden, albernden Kindern verfolgt.
Als ich ihnen am Bahnhof angekommen ein paar Süßigkeiten geben wollte, trauten sie sich nicht, diese anzunehmen.
Lotos erklärte, dass es schlechte Erfahrungen mit Touristen gab, die Kinder mit Süßigkeiten angelockt und dann daraus negative Fotos und Videoaufnahmen gefertigt hätten.
Daraufhin gab ich ihr die Süßigkeiten und bat sie, dass sie diese den Kindern gibt. Beim zweiten Versuch kamen die Kinder dann auch auf ihr Rufen hin, nahmen die Süßigkeiten und bedankten sich höflich auf Englisch mit einem englischen „Thank you“, bevor sie lachend von Dannen zogen.
Zwischenzeitlich war natürlich der Strom am Bahnhof ausgefallen, sodass dieser vergleichsweise düster vor uns lag.
Die Versorgung mit Lebensmitteln und Wasser in Nordkorea war relativ günstig. Für eine 0,5l-Flasche Wasser bezahlte man ca. 20 Cent. Die Bezahlung war nur in ausländischer Währung (bevorzugt Euro) möglich. Wechselgeld wurde in Euro, Dollar oder Yuan Renminbi ausgegeben.
Der Besitz lokaler Währung (Nordkoreanischer Won) war Touristen nicht gestattet.
Der offizielle Umrechnungskurs Euro zu lokaler Währung betrug ca. 1:130, auf dem Schwarzmarkt ca. 1:10.000.
Donnerstag
Am folgenden Tag besuchten wir morgens den Gedenkpalast Kumsusan oder auch Sonnenpalast, dem ehemaligen Dienstsitz von Kim Il Sung, wo im Mausoleum die Leichname von Kim Il Sung und Kim Jong Il sowie wichtige Utensilien, Autos und Zugwaggons (mit Arbeitszimmer im Originalzustand samt MacBook Pro) ausgestellt sind.
Außerdem gab es viele Fotos von Treffen mit wichtigen Persönlichkeiten und von großen Taten, Auszeichnungen, Orden und auch ein Kriegsschiff.
Innen waren keine Fotos gestattet.
Die Zugangskontrollen waren enorm. Neben einer Befestigung mit dicken, stahlverstärkten Mauern gab es augenscheinlich Strahlendetektoren, von den Besuchern wurden Fotos gemacht. Jegliche Metallgegenstände waren komplett untersagt.
Es gab lange Fahrtreppen von über 200m, auf denen man sich bei sehr langsamer Geschwindigkeit und andächtiger Musik auf das Ereignis vorbereiten konnte.
Die Militärwachen waren hier besonders misstrauisch und ließen uns, wenn auch nur im Augenwinkel, nicht aus ihrem Blick.
Vor den Leichnamen (in separaten Räumen) durften wir uns an jeder Seite ehrfürchtig verbeugen.
Auf dem Gelände gab es tolle Grün- und Wasseranlagen, ein idyllischer Ort.
Bei unserem obligatorischen Gruppenfoto benutzten wir statt „cheese“ das Wort „Kimchiiiiiii“ – was alle umstehenden Nordkoreaner zum Lachen brachte.
Die Hotelzimmer wurden von drei Reinigungskräften gleichzeitig sauber gemacht, was ich bei unserer kurzen Rückkehr zum Hotel zwecks Kleiderwechsel mitbekam.
Nächste Station war das Metromuseum.
Auch hier waren innen bis auf wenige Stationen keine Fotos gestattet.
Auf verschiedenen Stationen wurde gezeigt, welche Beiträge Kim Il Sung beim Bau der Metro geleistet hat, mit welchen Hinweisen, Anweisungen und Ratschlägen er zum Erfolg des Baus beigetragen hat.
Ausstellung der drei Revolutionen
Ab zum Flughafen. Dort aßen wir erstmal zu Mittag.
Auf dem Weg zur Toilette im Terminal traf ich gleich noch ein paar nordkoreanische Sportler.
An diesem Tag standen Rundflüge auf dem Programm.
Auf den Monitoren gab nur Arrivals, keine Departures. Unsere Flüge waren augenscheinlich nicht aufgeführt.
Auf dem Flughafen versuchte ich, erneut die Toilette zu benutzen, was jedoch daran scheiterte, dass ein Reinigungsteam (Mann+Frau) in den Pissoirs herumpömpelten und lautstark über Verstopfungen diskutierten. Dann eben nicht.
Bitte lächeln – oder besser: Kimchiiiii!
Die Iljuschin / Ilyushin IL-76 P-912.
Natürlich hatte ich einen der wenigen Fensterplätze. Filmen musste ich kniend auf den Sitzen, den Sicherheitsgurt der Form halber um die Hüften geschnallt.
Der Flug war toll! Die IL-76 wird definitiv eines meiner Lieblingsflugzeuge.
Die Reiseleiter bekamen einen Anruf aus dem Hotel, weil im Zimmer eines Teilnehmers ein Handtuch fehlte. Dies hatte er am Abend vorher mit in die Sauna genommen und dort gelassen.
(Zurück im Hotel bedurfte es 15 Minuten Diskussion mit 5 spärlich englisch sprechenden Saunamitarbeitern, bis das Handtuch triumphierend wieder in Empfang genommen werden und ordnungsgemäß zurück ins Hotelzimmer verbracht werden konnte.)
Weiter ging es mit der Iljuschin / Ilyushin IL-62 P-885.
Zum Abschluss noch die Tupolew / Tupolev Tu-154 P-561.
Abendessen
Freitag
Heute ging es zur Freundschaftsausstellung (Museum für Völkerfreundschaft) in den Myohyang-Bergen. Es waren dort Staatsgeschenke an Kim Il Sung, Kim Jong Il und Kim Jong Un ausgestellt. Außerdem gab es Wachsfiguren der beiden Erstgenannten und es war eine Iljuschin / Ilyushin IL-14 ausgestellt.
Den Hinweg absolvierte ich mit dem Bus, zurück ging es mit einem Mil Mi-17, Registrierung 867 vom Hyangsan Heliport nach Pjöngjang. Insgesamt waren auf dem Hin- und Rückweg zwei Mi-17 mit den Registrierungen 847 und 867 für uns reserviert.
Pause auf der Autobahn.
Fotos waren innen nicht gestattet.
Die Natur war atemberaubend.
Mittagessen gab es in einem Pavillon 100 Meter vom Museum entfernt – natürlich mussten wir diese Strecke wieder mit dem Bus absolvieren.
Da war wohl beim Frühstück wieder zu viel Krakauer übrig.
Im Anschluss besuchten wir noch einen buddhistischen Tempel.
Noch schnell ein paar Fotos und dann ging es zurück mit einer der beiden Mi-17, der 867 mit VIP-Bestuhlung.
Leider konnten einzelne ReiseteilnehmerInnen trotz wiederholter Bitte nicht leise sein und mussten mein Video fortlaufend mit unqualifizierten Einwürfen beglücken.
Vielleicht sollten diese Personen künftig besser wieder Urlaub auf Mallorca machen, anstatt mit einer Reisegruppe in Nordkorea.
Da wir zu spät in Pjöngjang ankamen, fuhren wir mit dem Bus mit Vollgas durch die Stadt zum Juche-Tower – über 100 km/h bei erlaubten 15. Gerade noch rechtzeitig vor Schließung trafen wir ein und konnten erneut einen tollen Ausblick auf Pjöngjang genießen.
Der letzte Abend war gekommen. Es gab ein Abschiedsessen.
Erfreulicherweise konnten wir sogar noch lokales Geld erstehen.
Samstag
Am Abreisemorgen wurden chaotisch die bestellten Bilder ausgegeben, da diese nicht nach Teilnehmer sondern nach Bildnummern sortiert waren.
Außerdem war anscheinend im Restaurant eine Tasse entwendet worden, denn der Kellner fragte in der Runde jeden einzeln danach.
Erneut mit Vollgas ging es zum Flughafen. Der Busfahrer hatte wohl Gefallen am schnellen Fahren gefunden.
Wir wurden herzlich von den Reiseleitern verabschiedet. Die Ausreiseformulare hatten sie bereits für uns vorausgefüllt.
Die Ausreise verlief problemlos und ohne Kontrolle der Fotoapparate, Mobiltelefone oder Notebooks.
Bei der Abreise war es sehr neblig, als ob Nordkorea die Eindrücke die wir in den letzten Tagen gewinnen durften wieder verbergen wollte…
In der Maschine nach Peking waren viele Parteifunktionäre. Das Flugzeug war erneut gut ausgelastet.
In Peking standen wir wieder direkt neben einer Maschine der Korean Air.
Bei der Immigration in fand ein Chinese mein „See you in Pyongyang“ -T-Shirt so toll, dass er unbedingt ein Foto von mir machen wollte. Warum nicht.
Mein Fazit:
Die Woche in Nordkorea war voll gepackt mit prägenden Eindrücken und tollen Erlebnissen.
Auch wenn dies meine erste Gruppenreise war und selbige mit diversen Einschränkungen im Vergleich zu einem Individualurlaub verbunden war, konnten wir uns auf Grund der alles in allem doch guten Zusammensetzung der Gruppe viele unerwartete Privilegien und zusätzliche Programmpunkte verdienen und hatten Spaß.
Durch den extrem vollgepackten Zeitplan hatte man vor Ort leider keine Möglichkeit, die neuen Eindrücke überhaupt zu verarbeiten. Dies kommt erst wenn man wieder zurück ist, beispielsweise indem man einen Reisebericht schreibt.
Die Landschaft in Nordkorea ist vielfältig, grün und teilweise einfach atemberaubend.
Man merkt an den einfachsten Dingen, dass Nordkorea definitiv kein Land ist das im Überfluss lebt. Trotz allem versuchen die Menschen, das Beste im Rahmen ihrer Möglichkeiten herauszuholen.
Besonders prägend waren die persönlichen Kontakte mit den Bürgern. Auch wenn einige skeptisch oder desinteressiert wirkten, man spürte insgesamt die Offenheit und die Freude über uns als ausländische Besucher, auch wenn die sprachliche Barriere oftmals nicht zu überwinden war.
Seien es die lachenden und winkenden Kinder oder Jugendlichen am Straßenrand, wenn wir mit dem Bus vorbeifuhren oder die alte Frau, die uns am Metroausgang voller Freude lachend zugewinkte.
Gerade die Jüngeren lernen Fremdsprachen wie Englisch in der Schule, sodass zumindest mit diesen eine einfachere Kommunikation durchaus möglich ist und durch wachsendes Interesse und Neugier teilweise sogar eigeninitiativ gesucht wird.
Bei allem Positiven darf man nicht vergessen, dass Reisende in jedem Fall in der Lage sein sollten, die politischen Gegebenheiten vor Ort zu akzeptieren und man keinesfalls versuchen sollte, diesen entgegenzuwirken.
Das ist mir gut gelungen, schließlich war ich nicht im Land um Politik zu machen, sondern um Land, Flugzeuge und Leute kennenzulernen.
Sicher kommt nicht jeder Euro den wir als Touristen ins Land bringen direkt bei den Bürgern an, dennoch merkt man deutlich – insbesondere wenn man Reiseberichte aus vergangenen Jahren liest – dass sich das Land im Wandel befindet, die Bürger uns gegenüber aufgeschlossener werden und dann eben doch ein Teil unseres Geldes zur Verbesserung der Situation im Land beiträgt.
Ich kehre mit wirklich positiven Eindrücken zurück und möchte einen Folgebesuch in Nordkorea keinesfalls ausschließen, dann jedoch wohl eher im Rahmen einer Individualreise anstatt in einer großen Reisegruppe.
Zu guter Letzt das Tourvideo der KITC:
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